Friedersdorf
Provinz Brandenburg - Regierungs-Bezirk Frankfurt - Kreis Lebus

Friedersdorf, am Rande des Oderbruchs gelegen, ist eines der ältesten Dörfer der Mark. Schon im Jahr 1146 kommt es urkundlich als im Besitz des jetz ausgestorbenen Geschlechts derer von Schapelow vor. Später ist Friedersdorf an die von Pfuel gekommen und war noch nach dem dreißigjährigem Krieg im Besitz der Familie. Das lange Elend dieses Krieges hatte aber den landbesitzenden Adel vorzugsweise schwer betroffen, und so sahen sich auch die Gebrüder Idel und Heine von Pfuel im Jahre 1652 genötigt, Friedersdorf zu verkaufen.

Friedersdorf

Es wurde mit dem Wiederverkaufsrecht an den Churbrandenburgischen Obersten und nachmaligen Hans Joachim von Görtzke für 14.000 Thaler überlassen. Damals war das Dorf ganz verwüstet, die Kirche und das Schloß bis auf die Grundmauern zerstört, im ganzen Dorfe überhaupt fand sich nur noch ein einziger Bauer. Hans Joachim von Görtzke, der sich seine Sporen unter Gustav Adolph verdient hatte und sich als einer der bedeutendsten Feldherrn unter dem grossen Churfürsten bewährte, war ein für jene Zeiten sehr reicher Herr, er hatte die Mittel und verstand es, das verwüstete Gut wieder empor zu bringen, so daß er als der Wiedererbauer von Friedersdorf betrachtet werden muß. Nicht allein die zwölf eroberten Geschütze, die der große Churfürst seinem General als ehrende Anerkennung geleisteter Dienste verlieh, erinnern in Friedersdorf heute noch an diesen hochausgezeichneten Mann.

Hans Joachim von Görtzke starb 1682, ohne männliche Nachkommenschaft zu hinterlassen; durch seine Tochter Elisabeth, vermählt an Hans Georg von der Marwitz auf Groß-Rietz, kam Friedersdorf an die von der Marwitz. Hans Georg von der Marwitz restaurierte Kirche und Schloß und hatte, als er 1704 mit Tode abging, die Friedersdorfer Wirthschaft auf eine hohe Stufe der Cultur gebracht; seine Wittwe (zweite Gemahlin – von Marie E. von Görtzke hatte er keine Nachkommen -) Sybille von Osterhausen führte eine treffliche Vormundschaft und Übergabe 1719 das gut im besten Stande. August Gebhardt von der Marwitz besaß Friedersdorf bis 1753. Ihm folgte sein Sohn Adolph 1756, Obrist des Regiments Gendàrmen, en Held des siebenjährigen Krieges, der 1781 als General starb. Während seiner Verwaltung wurde Friedersdorf von den Russen ausgeplündert. Sein Bruder Bernd Friedrich August Ludwig von der Marwitz, königlicher Hofmarschall, hielt sich nur im Sommer in F. auf und starb 1793. Dessen ältester Sohn war der um das Vaterland so hochverdiente F.A.L von der Marwitz, der in den Feldzügen von 1806, 1807, 1813, 1814, und 1815 mit großer Auszeichnung focht, im Frieden ebenso muthig den Feinden Preußens mit der Feder, wie im Kriege mit dem Schwerte entgegentrat und 1827 als Generalliutenant den Abschied nahm. Seitdem widmete er seine edle Thätigkeit vorzugsweise den ständischen Angelegenheiten und fungirte als Landtagsmarschall auf dem Provinzlandtage der Provinz Brandenburg. Was Friedersdorf betrifft, so hatte er nach dem Kriege die Wirthschaft aus dem Grunde zu organisieren; durch Brand verlor er die Wirthschaftshöfe, das Schloß ließ er in seiner jetzigen Architektur nach Plänen von Schinkel im Jahre 1827 herstellen. Einer der bedeutendsten Männer seiner Zeit, ein Patriot von erprobter Treue, starb der General von der Marwitz viel beklagt, im Jahr 1837, er bleibt unvergessen.

Friedersdorf hat er zum Fideicommis gemacht, die Bestätigung desselben erfolgte erst 1854. Der jetzige Besitzer ist der Rittmeister und Escadronschef im zweiten Landwehr-Dragoner-Regiment Bernhard von der Marwitz, Kreis-Deputirter und Mitglied des Herrenhauses, Sohn des Generalliutenants.

Das Friedersdorfer Schloß liegt in einem kleinen Parke von schönen alten Bäumen umgeben, dieser Park umschließt auch die Kirche, welche sehenswerthe Monumente und Holzschnitzereien enthält, sowie einen 1853 eingerichteten Begräbnisplatz für die Familie von der Marwitz. Die seit dem dreißigjährigem Kriege eingegangene Pfarre ist im Jahre 1850 von der Schwester des jetzigen Gutsherrn, dem Fräulein Sophie von der Marwitz, wiederhergestellt worden.

Das Rittergut umfaßt ein Areal von 2617 Morgen mit zwei im Oderbruch gelegenen Vorwerken, dazu gehört ferner noch eine im Jahr 1851nach amerikanischen System eingerichtete Windmühle. Im Dorfe befinden sich als ehemalige Unterthanen zwanzig Kossäthen, jeder mit ungefähr 70 Morgen Land.

(Text Duncker ca. 1860)

Nachtrag: Das Schloß Friedersdorf überstand den zweiten Weltkrieg, trotz heftiger Kämpfe auf den in der Nähe gelegenen Seelower Höhen, mit nur leichten Beschädigungen. Es wurde als "Hort der Reaktion" 1956 gesprengt. Im Jahr 1991 kaufte und pachtete Hans-Georg von der Marwitz, ein Enkel des letzten Besitzers Bodo von der Marwitz, Teile der ehemaligen Besitzungen und restaurierte ehemalige Wirtschaftsgebäude. Die stark beschädigte Schloßkappelle wurde durch einen Trägerverein und Spenden wieder Instand gesetzt.