Grossen Kreutz
Provinz Brandenburg. – Regierungsbezirk Potsdam – Kreis Zauche-Belzig

Grossen Kreutz, Post- und Eisenbahnstation zwischen Potsdam und Brandenburg, ursprünglich Groten Krucewitz genannt, gehörte in den ältesten Zeiten der Familie von Rochow, in deren Besitz es zuerst urkundlich im Jahre 1351 vorkommt. 1593 verkaufte Erich und Detliof von Rochow an Herrmann von Streithorst unter dem Namen Grossen Kreutzwitz, nebst Uhlenhausen und Uhlenheide, von Sr. Majestät Friedrich Wilhelm I. bei der Gelegenheit Höchstseiner persönlichen Anwesenheit auf einer Jagd daselbst, nach dem Namen des damaligen Besitzers, in Hackenhausen und Hackenheide umgeändert Herrmann von Streithorst verkaufte das gesamte Besitzthum mit noch einigen anderen Gütern 1604 an Wulf Dietrich von Hacken, „Cammerherr zu Berlin, Haubtmann zu Potsdam und Saarmund, Dom Herr des hohen Stifts zu Magdeburg, Erb-Herr auf Berge“ im Havellande, dem Stammhuse der Hacken; in dessen Nachkommenschaft vererbte Gr. Kreutz vom Vater auf den Sohn bis Erbschenken Carl Botho Gottfried von Hacken, den Erbauer des hier dargestellten Herrenhauses, welcher 1801 als der letzte, rothen Linie, derer von Hacken mit Hinterlassenschaft einer einzigen Tochter Wilhelmine von Hacken verstarb. Diese hatte sich 1790 vermählt mit Johann Carl August Adam von Arnstedt, Erbherrn auf Demker und Welle in der Altmark, Königlich Preußischer Major und Flügel-Adjutant Sr. Majestät Friedrich Wilhelm II., nachdem er zuvor als Adjutant des ersten Bataillons Leibgarde, sieben Jahre lang der einzige persönliche Adjutant Sr. Majestät Friedrich des Grossen gewesen war. Er starb im Mai 1806, seine Wittwe 1828. Der älteste Sohn beider, August von Arnstedt, starb den Heldentod in dem blutigen Gefecht von Königswartha im Mai 1813, er ist durch ein Zusammentreffen begünstigender Umstände in der Familiengruft der auf dem Bilde sichtbaren Kirche beigesetzt; zu seinem Andenken ist das ebenfalls auf dem Bilde sichtbare eiserne Kreutz im Garten errichtet, welches aber nicht weiß, wie dargestellt, sondern schwarz ist. Der jetzige Besitzer, der zweite Bruder des vorgenannten August von Arnstedt ist der Rittmeister a.D. Albert von Arnstedt, vermählt seit 1824 mit Franziska von der Marwitz, ältesten Tochter des hochverdienten General-Liutenants F.A.L von der Marwitz auf Friedersdorf.

Gross Kreutz

Der Name des Ortes hat sich im Laufe der Zeit in Grossen-Kreutz abgekürtz; der Besitzer und die Ortsbewohner schreiben Grossen Kreutz, welches durch die Postverwaltung eigenmächtig in Grosskreutz verändert worden ist.

Der wendische Name Crucewitz (deutsch Kreutzdorf), welchen Grossen Kreutzin der Zauche und das Havelländischen Kreise belegene Dorf Klein-Kreutz in den ältesten Zeiten gemeinschaftlich führten, so wie der Umstand, daß beide Brüche und der Havelstrom von einander getrennten Dörfer dennoch ursprünglich eine Parochie bildeten, indem Klein-Kreutz bis zum Jahre 1300 Filial von Groß-Kreutz war, erinnert an eine Sage, nach welcher bei der ersten Verbreitung des Christenthums, von dem im Jahre 949 gestifteten Bisthum zu Brandenburg aus, auf beiden Seiten der Havel und an beiden genannten Orten ein Kreutz, als Symbol des christlichen Glaubens errichtet worden sei.

Mag diese Sage, wie so viele andere, auch ohne historische Grundlage und ein bloßer Versuch sein, aus Namen Geschichte zu machen, so ist der ursprüngliche kirchliche Zusammenhang beider, zwei verschiedenen Territorien angehörigen Dörfer, so wie die Umbildung des deutschen Wortes Kreuz (Cruz) in einen wendischen Ortsnamen, doch jedenfalls nicht ohne Bedeutung, und rechtfertigt die Vermutung, daß beide Dörfer in erster christlicher Zeit von den Deutschen unter dem Namen angelegt, und nach der Empörung der Wenden im zehnten Jahrhundert Cruzewitz genannt wurden. Nach der späteren deutschen Besitznahme (1157) behielt man den wendischen Namen bei, unterschied beide Dörfer aber zuerst dadurch, daß man das in der Zauche belegene Wendisch-Crucewitz, und seit 1300 Gross Crucewitz nannte. Der heutige Name Groß-Kreutz ist erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Gebrauch gekommen.

Als Wendisch Crucwitz verkauften es die Markgrafen Otto und Albrecht im Jahre 1275 zugleich mit dem Dorfe Bochow und der Feldmark Oberzlow dem Kloster Lehnin.

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß in diesem Herrenhause, welches seit 1765 steht, bis zum heutigen Tage, 1860, nur treue Königs-Knechte das Regiment geführt haben, und so Gott will bis an`s Ende führen werden, unbekümmert, wie wenig diese Ausdrucksweisee der modernen Auffassung zusagt.

(Text Duncker ca. 1860)

Nachtrag: Das Gut Groß Kreutz überstand den zweiten Weltkrieg unbeschadet und beherbergte die Familie von der Marwitz bis zum Herbst 1945, von wo aus sie unter drohender Verhaftung floh. In der Zeit bis 1989 wurde der Betrieb als sozialistischer Musterbetrieb geführt und als Landwirtschaftsschule genutzt. Im Jahr 1992 erwarben die Brüder Borries und Donat von Müller, Enkel des letzten Eigentümers Bodo von der Marwitz, von der Treuhandanstald das Gut und Teile der angrenzenden Flächen.